21.03.2017

Die Ehrenamtlichen leiden mit

Bild: BärbelAnzengruber
Dr. Kofler mit Frau Anzengruber im Gespräch
Kritik an der Abschiebepraxis nach Afghanistan
Besondere Sorge äußerten die Helfer über das seit Oktober 2016 bestehende Rückführungs-abkommen mit Afghanistan. „Ich kann diese Sorgen absolut nachvollziehen, denn Afghanis-tan ist keineswegs ein sicheres Land“, so Bärbel Kofler, die ihre Kritik an den Abschiebungen nach Afghanistan schon mehrfach in den bundesweiten Medien öffentlich gemacht hat.
Im südlichen Landkreis gibt es zurzeit unter den afghanischen Asylbewerbern 10 Familien und 2 ledige Männer. 3 Familien und 2 ledige Männer haben ihre Rückführungsbescheide erhalten. Für 3 Familien gilt noch eine einjährige Duldungsfrist. Der Rektor der Mittelschule Bischofswiesen, Hans Metzenleitner berichtet dazu, dass in der Mittelschule zurzeit etwa 20 jugendliche Migranten und etwa ebenso viele in der Grundschule oft mit tollem Erfolg be-schult werden. Daneben werden eine wechselnde Zahl von Jugendlichen aus Asylbewerber-familien und auch unbegleitete Jugendliche in der so genannten „offenen Ganztagsschule ausgebildet und betreut. Es hat sich mit Unterstützung von Caritas und Arbeiterwohlfahrt in Bischofswiesen ein festes und leistungsfähiges Netz von Betreuern und ehrenamtlichen Hel-fern gebildet, das bei der Integration und Ausbildung der Asylbewerber engagiert ist. Diese Arbeit, so Dr. Bärbel Kofler, könne nicht hoch genug gelobt werden. Die Helfer machten deutlich, dass es dann umso enttäuschender und unverständlicher sei, wenn sie miterleben müssten, wie Menschen nach bereits langjährigem Aufenthalt in Deutschland und mit einem bereits fortgeschrittenen Stand der Integration plötzlich mit einem Abschiebebescheid der Ausländerbehörde konfrontiert werden.

Da ist Marjan aus Afghanistan (Name geändert). Der junge Mann ist seit 2012 in Deutsch-land. Sein Gesichtsausdruck vermittelt Angst, Enttäuschung und Verzweiflung. Er spricht in-zwischen schon gut Deutsch und arbeitet im Gaststättengewerbe. Nach der Ablehnung seines Asylgesuchs kämpft er derzeit um eine Verlängerung seiner Duldung in Deutschland.

Oder Rana (Name geändert): Sie hat es vor ihrer Flucht geschafft, in Kabul ein Medizinstudi-um beginnen zu können. Ihr Mann hat eine Ingenieurausbildung. Sie hat in der Kranken- und Altenpflege gearbeitet und will ihr Medizinstudium in Deutschland abschließen. Auch sie soll nun mit ihrem Mann abgeschoben werden.

Marlene Anzengruber von der örtlichen Caritas, aber auch das pensionierte Lehrerehepaar Ilse und Wolfgang Grimm berichteten von der Betroffenheit und dem Frust vieler Ehrenamt-licher, die mit ansehen müssen, wie das, woran sie mitgeholfen haben, nämlich der Aufbau sprachlicher und beruflicher Qualifikation, plötzlich nichts mehr wert ist und Menschen, zu denen man inzwischen ein vertrauensvolles Verhältnis gefunden hat, in eine ungewisse Zu-kunft abgeschoben werden. Hier geht auch bei den Ehrenamtlichen Motivation verloren.
Dr. Bärbel Kofler erläuterte, dass das Integrationsgesetz der Bundesregierung Perspektiven schaffen solle. So biete nun die sogenannte „Drei plus Zwei-Regel“ zumindest den in Ausbil-dung befindlichen Asylsuchenden eine befristete Bleibeperspektive. „Während der dreijähri-gen Ausbildungszeit und zwei folgenden Berufsjahren im Ausbildungsberuf können die Asyl-suchenden auch bei der Versagung des Asylstatus in Deutschland bleiben. Das bietet nicht nur ihnen, sondern auch den heimischen Ausbildungsbetrieben, die mir immer wieder schil-dern, wie schwer sie ihre Ausbildungsstellen besetzen können, eine Chance“, so Bärbel Kof-ler. Sehr kritisch kommentierte die SPD-Bundestagsabgeordnete, dass das Land Bayern die Ausführung des Gesetzes auch im deutschlandweiten Vergleich sehr rigoros handhabt. „Es ist untragbar, dass, wie mir glaubhaft geschildert wird, Asylsuchende zur Erteilung einer Ar-beitserlaubnis erst angehalten werden aktiv etwa an der Passbeschaffung mitzuwirken, wenn dann bei Vorliegen eines Ausweispapieres eben gerade keine Arbeitsgenehmigung erteilt wird, weil man nun ja davon ausgehen könne, dass die Abschiebung unmittelbar bevor stehe. Aus meiner Sicht läuft das dem Sinn des Bundesintegrationsgesetzes zuwider“, betont Bärbel Kofler. Sie steht dazu bereits in einem schriftlichen Austausch mit Bundesinnenminister de Maiziere.
Bei den vielen Einzelfällen, die Ilse Grimm der Abgeordneten schilderte, wurde deutlich, dass eigentlich jeder Fall unterschiedlich gelagert ist und nur entsprechend individuelle Hilfe geleistet werden kann. Die Anwesenden bedankten sich herzlich bei der SPD-Abgeordneten für ihr offenes Ohr und ihren Einsatz.




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